Mit Bollo durch den Schultag. (Bollo heisst eigentlich Bolle:)

Wer eine Brückenklasse der Förderschule in Goch besucht, hat besonders viel Betreuung nötig – manchmal auch solche auf vier Pfoten. Das Projekt von Anna Stift und Schule kommt bei allen Beteiligten gut an.

Quelle: Zeitungsartikel aus der RP Online, Anja Settnik

Wer die Astrid-Lindgren-Schule in Goch besucht, hat besonderen Förderbedarf. Im sprachlichen Bereich, im Lernen oder in der emotionalen und sozialen Entwicklung. Einige dieser Kinder benötigen besonders intensive Betreuung in kleinen Lerngruppen. Für sie gibt es zwei „Brückenklassen“, in der ein Tandem aus Lehrerin und Sozialarbeiterin bis zu acht Kinder unterrichtet. Zusätzlich haben die Mädchen und Jungen einer dieser Klassen einen ganz besonderen Unterstützer: den Australian-Shepherd-Rüden „Bollo“, der ein besonders beliebter „Mitschüler“ ist.

Das Anna-Stift als Jugendhilfeeinrichtung kooperiert mit der Förderschule und stellt zwei Sozialpädagogen zur Verfügung, die die Lehrer unterstützen. Lioba Kühne hat früher, als sie noch als Integrationshelferin arbeitete, schon gute Erfahrungen mit einem Schulbegleithund gemacht. Nach den Osterferien hatte sie begonnen, ihren „Bollo“ an die Kinder zu gewöhnen – und vor allem umgekehrt. Schulleiter Thomas Hegmann ist begeisterter Unterstützer des Projekts, und auch die übrigen Lehrer freuen sich, wenn sie morgens den freundlichen Hund begrüßen können.

Zumal der niemandem nennenswert Arbeit macht (selbst der Hausmeister beklage sich nicht, heißt es). Meist liegt „Bollo“ entspannt auf seiner Decke, lässt sich gerne streicheln und ist einfach da. Sozialarbeiterin Kühne nimmt immer eines der Kinder mit auf den Vormittags-Hundespaziergang, zweimal fragen muss sie nie – die „Pflicht“ ist sehr beliebt. Ob Fünft- oder Achtklässler: Mit Bollo umgehen macht Spaß und tut gut. „Er hat ein sehr freundliches, ausgeglichenes Wesen und bringt Ruhe in die Klasse. Die Kinder haben schnell gelernt, auf Bollo Rücksicht zu nehmen. Dem Tier zuliebe knallen sie nicht die Tür, weil es sich sonst erschrecken würde, und überhaupt gibt es einige ,Hunde-Regeln’, die zu beherzigen sind“, erklärt seine Besitzerin. Tatsächlich gingen die Schüler inzwischen auch miteinander sorgsamer um, was natürlich eine sehr willkommene Auswirkung sei.

Kontakt knüpfen zum Hund scheint einfacher als zu anderen Menschen. Lehrerin Katja Sauter-Hannen weiß, dass selbst ein autistisches Kind sich angesichts des Hundes öffnet. „Über den Umweg ,Bello’ ist der Zugang zu solchen Kindern einfacher. Der Hund entschärft auch manche Situation, weil er einfach total positiv besetzt ist. Niemand möchte ihm schaden oder an ihm seine Kräfte messen. Das ist ein großer Unterschied zu uns Lehrern, die ja auch schon mal streng sein oder sich durchsetzen müssen“, weiß die Lehrerin. Bollo weiß das nicht, aber seine Chefin meint, dass er in der Wahrnehmung der Kinder „irgendwo zwischen Stofftier und Mensch“ rangiert. Eine ehrenhafte Position.

„Tiergestützte Pädagogik“ nennt sich so etwas und findet immer mehr Anerkennung. Dirk Jasik und Sabine Voß vom Anna Stift finden es schön, dass ihre Kollegin mit ihrem netten Hund so guten Zugang zu den Schülern hat. Ihr Einsatz wird im Rahmen der Hilfeplanung für jedes Kind mit Förderbedarf vom Jugendamt bezahlt. Übrigens engagieren sich die Pädagogen der Brückenklassen einmal in der Woche auch noch nachmittags. Beim RP-Besuch wurde zum Beispiel in der Küche gearbeitet: Badekugeln für den Adventsbasar am 30. November standen auf dem Stundenplan. Und Bollo sah zu – allerdings von der Tür aus, denn was die Hygiene angeht, gibt es keine Ausnahme: Bollo ist ein Tier und darf deshalb nicht in die Küche. Gegen ein ruhiges Stündchen hat der Hund jedoch nichts. „Am Nachmittag ist er meistens ganz schön platt. Wie die Kinder“, sagt Lioba Kühne.

Quelle: Zeitungsartikel aus der RP Online, Anja Settnik